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Heizungsindustrie auf dem Weg zu Rekordjahr - mehr Wärmepumpen und Gasheizungen, weniger Biomasseanlagen

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaKöln / Berlin - Die Heizungsbranche in Deutschland steuert 2023 auf ein Rekordjahr zu. Erstmals seit den 1990er-Jahren erwartet der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) den Absatz von mehr als 1 Mio. neuer Heizungsgeräte. Angetrieben wird die Marktentwicklung durch eine Reihe von Sondereffekten.

Der Markt für Heizungen in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2023 gegenüber dem Vorjahr erneut deutlich zugelegt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der aktuellen Marktstatistik des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Die derzeitige Situation spiegelt aber nur eine Momentaufnahme wider, im Jahr 2024 erwartet der Verband eine deutliche Eintrübung der Marktperspektiven.

Vorzieheffekte bei gasbasierten Heizungen durch Debatte um Gebäudeenergiegesetz
Die im Verband der Deutschen Heizungsindustrie organisierten Hersteller weisen für das erste Halbjahr 2023 insgesamt 667.500 abgesetzte Wärmeerzeuger aus. Das entspricht einem Plus von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Treiber dieser Entwicklung sind nach wie vor Wärmepumpen mit 196.500 abgesetzten Geräten und einem Plus von 105 Prozent. Gasbasierte Geräte tragen mit 385.000 abgesetzten Einheiten und einem Plus von 29 Prozent ebenfalls zum positiven Gesamtergebnis bei. Während im Segment Bioenergie der Absatz von Scheitholz-, Kombi-Kesseln und Hackschnitzeln zulegt, ist bei Pellet-Heizungen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Per Saldo ergibt sich damit im Bereich Biomasse im ersten Halbjahr ein Rückgang um 13 Prozent auf 38.000 Systeme. Rückläufig mit einem Minus von 31 Prozent auf 240.000 m2 Kollektorfläche ist auch die Marktentwicklung im Bereich Solarthermie.

Mit Blick auf das Gesamtjahr geht der Verband in seiner Mitgliederbefragung davon aus, deutlich über eine Million Geräte abzusetzen - zum ersten Mal seit den 90er-Jahren. Gründe für den positiven Marktverlauf sieht der BDH unter anderem in verschiedenen Sondereffekten. Der Ukraine-Krieg sorgte insbesondere im Jahr 2022 für Verunsicherung bei den Menschen bezüglich der Versorgungssicherheit und für Angst vor steigenden Energiekosten. Die langwierige Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) sorgte für Vorzieheffekte insbesondere bei gasbasierten Heizsystemen. Entsprechend schiebe man derzeit noch eine Modernisierungswelle vor allem bei den Wärmepumpen vor sich her, die sich aber langsam abschwäche, so der BDH.

Positiver Markt 2023 Momentaufnahme - Perspektiven ab 2024 eingetrübt
Vor dem Hintergrund der genannten Sondereffekte sieht der Verband den positiven Marktverlauf im Jahr 2023 als Momentaufnahme. Dafür sprechen aus BDH-sicht auch die rückläufigen Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).

Befragt nach der Perspektive für das erste Quartal 2024 zeichnen die Mitgliedsunternehmen dann auch ein entsprechend negatives Bild. 85 Prozent der befragten Firmen rechnen für das erste Quartal 2024 mit einer schlechten oder sogar sehr schlechten Marktentwicklung. Eine Marktbelebung durch das Gebäudeenergiegesetz erwarten die Unternehmen nicht.

Neben der unklaren Fördersituation sieht der BDH ein weiteres Markthemmnis in der kommunalen Wärmeplanung, die mit dem GEG verzahnt werden soll. „Es macht Sinn, dass die Ampel-Koalition sich noch dazu durchringen konnte, der kommunale Wärmeplanung größeres Gewicht beizumessen. Das darf aber nicht dazu führen, dass die Menschen nun abwarten, was ihre Kommune in jahrelangen Prozessen plant und sich die Modernisierungsdynamik im Heizungskeller jetzt dadurch abschwächt“, bemerkt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt.

BDH: Neue Förderung darf nicht niedriger ausfallen als bei jetzigem Modell
Staudt betont, dass die Heizungsbranche die Zusagen, die sie gegenüber der Bundesregierung gemacht hat, gehalten hat und massiv in die Ausweitung der Produktionskapazitäten für Wärmepumpen investiert. „Jetzt muss auch die Politik liefern“, nimmt Staudt die Regierung in die Pflicht.

Konkret fordert der BDH, dass nun möglichst schnell Klarheit in Bezug auf die Förderung geschaffen wird und dass diese verlässlich und auskömmlich ausgestaltet wird. Insbesondere gelte es, die förderfähigen Investitionskosten auf 45.000 Euro anzuheben, da andernfalls ab einer bestimmten Investitionssumme die Investoren weniger Fördergelder erhielten, als dies mit der jetzigen Förderung der Fall sei.

Um bis zum Starttermin keinen Stillstand im Markt auszulösen bzw. den bestehenden zu überwinden, solle ein Wahlrecht für alle Antragsteller vom Zeitpunkt der Verabschiedung des GEG bis zum Starttermin der neuen Förderbedingungen eingeführt werden. Dieses Wahlrecht solle es den Bürgern erlauben, sich für die jeweils besseren Förderbedingungen - auch nachträglich - zu entscheiden.

Außerdem fordert der BDH, dass weitere Effizienztechnologien wie Heizungs- und Umwälzpumpen, Wohnraumlu?ftung mit Wärmeru?ckgewinnung sowie die dezentrale KWK im Gebäudeenergiegesetz Berücksichtigung finden.


© IWR, 2023


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