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Strommarkt: Öl- und Gaspreisschock erhöht Inflationsdruck - Erneuerbare Energien und Speicher wirken als bester Schutz

© Adobe Stock© Adobe StockMünster - Der erneute Preisschock bei Öl und Gas verschärft den Inflationsdruck in Europa und lenkt den Blick erneut auf die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten. Nach Auffassung des IWR bieten heimische erneuerbare Energien in Kombination mit Batteriespeichern den besten Schutz vor solchen Preisschocks.

Wie stark sich fossile Brennstoffkosten auf die Strompreise an der Börse auswirken, hängt wesentlich davon ab, welches Kraftwerk in der Merit Order zur Deckung der Nachfrage preissetzend ist. Das jeweils teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis für alle Anbieter. Je mehr günstiger Solar- und Windstrom das Angebot bestimmt, desto seltener setzen teure fossile Kraftwerke diesen Preis. Dadurch wird die Wirkung internationaler Öl- und Gaspreisschocks auf den deutschen Börsenstrompreis begrenzt.

EZB erhöht Leitzinsen am 10. September: IWR verweist auf fossile Preistreiber
Am 10. September 2026 erhöhte die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Dabei verwies sie ausdrücklich auf den anhaltenden Inflationsdruck durch den Konflikt im Nahen Osten. Da die Preise für Öl und Gas auf internationalen Märkten gebildet werden, lässt sich dieses Preisrisiko nicht über andere Lieferländer oder Bezugswege abfedern. „Die Preistreiber haben einen Namen: fossile Energien. Der beste Inflationsschutz ist die Transformation von Öl und Gas hin zu Strom aus heimischen erneuerbaren Energien in Kombination mit Energiespeichern“, sagt IWR-Geschäftsführer Dr. Norbert Allnoch.

TTF-Gaspreis von 80 Euro pro MWh treibt Gaskraftwerke aus der Merit Order
Wie sich günstiger Solarstrom auf die Strompreisbildung auswirkt, zeigt sich an sonnenreichen Tagen: Mit steigender PV-Erzeugung sinken die Börsenstrompreise häufig bis zur Mittagszeit deutlich, während sie am Abend mit zurückgehender Solarerzeugung wieder steigen. In der öffentlichen Diskussion wird dieser Verlauf häufig über eine falsche Kausalkette erklärt: Zu viel Solarstrom führe zu einem „Überangebot“, überlaste die Netze und müsse zu niedrigen Preisen ins Ausland „verklappt“ werden. Dabei werden die Preisbildung an der Strombörse und Netzvorgänge miteinander vermischt.





Bild: Börsenstrompreise im Tagesverlauf am 25.08.2026 © Tibber




Tatsächlich drängt günstiger Solarstrom nach dem Merit-Order-Prinzip Kraftwerke mit höheren Grenzkosten, etwa Gaskraftwerke, aus der Preisbildung. Bei einem Gaspreis von rund 80 Euro je MWh am richtungsweisenden europäischen TTF-Hub und einem Wirkungsgrad von 50 Prozent liegen allein deren Brennstoffkosten bei etwa 160 Euro je MWh Strom beziehungsweise 16 Cent je Kilowattstunde, zuzüglich CO2- und weiterer variabler Kosten. Wird ein Gaskraftwerk nicht benötigt, fällt es aus der Preisbildung heraus. Je stärker erneuerbare Energien teure Kraftwerke aus der Preisbildung drängen, desto seltener können hohe Gaspreise den Börsenstrompreis bestimmen.





Bild: Bildung der Strompreise an der Börse: Schematische Darstellung des Merit-Order-Prinzips © IWR




Bundesnetzagentur: Mehr als 96 Prozent des erneuerbaren Stroms 2025 eingespeist
Von der Preisbildung unabhängig treten regional Netzengpässe auf, die zeitweise zu Abregelungen erneuerbarer Anlagen führen. Ein niedriger oder negativer Börsenpreis ist daher nicht automatisch ein Hinweis auf einen Netzengpass: Laut Bundesnetzagentur flossen 2025 mehr als 96 Prozent des erzeugten erneuerbaren Stroms ins Netz und erreichten die Letztverbraucher. Bis 2028 sollen zudem mit Ultranet (2.000 MW), A-Nord (2.000 MW), SuedLink (4.000 MW) und SuedOstLink (2.000 MW) vier neue Nord-Süd-Leitungen ans Netz gehen und die Übertragungskapazität zwischen den Erzeugungsschwerpunkten im Norden und den Verbrauchszentren erhöhen.

Batteriespeicher verschieben günstigen Strom in teure Stunden
Genau diese günstigen Mittagsstunden liefern den wirtschaftlichen Anreiz für Batteriespeicher: Sie laden Strom zu niedrigen Preisen und geben ihn in den teureren Morgen- und Abendstunden wieder ab. Dadurch steigt beim Laden die Nachfrage zur Mittagszeit, beim Entladen das Angebot in den teuren Stunden - die Börsenstrompreise sinken entsprechend, und Gaskraftwerke geben seltener den Ausschlag. Je mehr günstiger Strom aus erneuerbaren Energien auf diese Weise verschoben werden kann, desto weniger schlägt der internationale Gaspreis auf den deutschen Börsenstrompreis durch.

IWR kritisiert Bundesregierung: Staatlich geförderte Gaskraftwerke als Strompreisrisiko
Vor diesem Hintergrund bewertet das IWR den Kurs der Bundesregierung kritisch: Staatlich geförderte Gaskraftwerke, die zusätzlich zur Reservefunktion auch am Strommarkt aktiv sein dürfen, bergen bei hohen Gaspreisen ein eigenes Preisrisiko, da ihre Brennstoffkosten im Bedarfsfall über die Merit Order direkt auf den Börsenpreis wirken. „Für die deutsche Wirtschaft ist ein dauerhaft wettbewerbsfähiges Strompreisniveau von zentraler Bedeutung. Dieses Ziel steht im Widerspruch zu einem Strommarktdesign der Bundesregierung, in dem teure fossile Kraftwerke häufig den Börsenstrompreis bestimmen. Entscheidend ist daher, dass das fossile Preisrisiko dieser Kraftwerke möglichst selten wirksam wird“, so Allnoch.

Um den Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken, sollte deshalb der Ausbau von Wind- und Solarenergie zusammen mit privatwirtschaftlich finanzierten Batteriespeichern im Vordergrund stehen. Erneuerbare Energien senken die Abhängigkeit von international bepreisten fossilen Rohstoffen, während Speicher günstige Strommengen gezielt in teure Stunden verlagern. Damit tragen erneuerbare Energien und Speicher dazu bei, dass teure fossile Kraftwerke seltener den Börsenstrompreis bestimmen.

© IWR, 2026


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15.09.2026

 



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