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Studie: CO2-Speicherung sollte vom Staat stärker finanziell unterstützt werden

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaMünster - Neben der CO2-Substitution durch erneuerbare Energien und die Energie-Einsparung bilden Technologien zur CO2-Speicherung einen Ansatz zur Erreichung der Klimaschutzziele. Forscher fordern eine stärkere finanzielle Unterstützung dieser Technologie. In Island entsteht derzeit ein wichtiges Leuchtturmprojekt zur CO2-Speicherung.

Um Treibhausgase wieder aus der Luft heraus zu holen, sollten Fördergelder gezahlt werden. Diese Zahlungen für die Beseitigung von CO2 sollten höher sein als der Preis, der auf den Ausstoß von CO2 erhoben wird. Das ist das Fazit der Autoren einer neuen ökonomischen Studie unter Beteiligung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Wie das Speichern von CO2 aus der Luft technisch funktionieren kann, zeigt ein Leuchtturmprojekt in Island, das sich derzeit in der Realisierungsphase befindet.

Staat sollte Beseitigung von CO2 verstärkt finanziell unterstützen
Erstmals analysierten die Autoren Max Franks, Matthias Kalkuhl und Kai Lessmann in der Studie „Optimal pricing for carbon dioxide removal under interregional leakage“ politische Maßnahmen, die auf das Abscheiden von CO2 aus der Atmosphäre zielen, um es dann unterirdisch oder in Produkten zu speichern. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Staat für die Beseitigung von CO2 einen Betrag zahlen sollte, der über dem Preis liegt, der für die Bepreisung von fossilen CO2-Emissionen angesetzt wird. Grund für die vorgeschlagene unterschiedliche Bepreisung sind nicht technische Schwierigkeiten beim Entfernen des CO2 aus der Luft, sondern wirtschaftliche Effekte, die als Leckage bezeichnet werden.

In ihrer Studie haben die Autoren Länder betrachtet, die ehrgeiziger bei der Reduzierung von Treibhausgasemissionen sind als andere. Dabei wurde untersucht, wie Regierungen die Beseitigung von CO2 unterstützen sollten, damit die CO2-Entnahme tatsächlich funktioniert und damit ein Angebot an CO2-Entnahmetechnologien und entsprechenden Unternehmen entsteht. Diese Frage ist zum Beispiel für den kürzlich von den G7 gegründeten Klima-Club relevant.

"Die Kapazitäten zur Entfernung von Kohlenstoff sind begrenzt, sie können nur einen bestimmten Anteil der Emissionen kompensieren. Für politische Entscheidungsträger wie die des Klima-Clubs stellt sich daher die Frage, was die beste Mischung aus allen Maßnahmen ist – insbesondere angesichts der Tatsache, dass andere Länder den Verbrauch fossiler Brennstoffe weiter steigern und die Märkte miteinander verbunden sind", so Max Franks vom PIK.

Wenn die Klimapioniere zum Beispiel weniger Öl kaufen, dann fällt der internationale Ölpreis. "Andere Länder werden den Rückgang des Ölpreises sehen und daher möglicherweise mehr Öl kaufen. Wenn also die ehrgeizigeren Länder ihren Ausstoß von CO2 einseitig um, sagen wir, 1.000 Tonnen reduzieren, dann könnte dies andere Länder dazu bringen, ihre Emissionen um vielleicht 150 Tonnen zu erhöhen. Die ursprüngliche Reduzierung von 1.000 Tonnen ist dann unter dem Strich nur eine Reduzierung um 850 Tonnen. Diese 150 Tonnen können wir dann als Leck auf dem internationalen Ölmarkt betrachten", warnt Matthias Kalkuhl vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Daher auch der ökonomische Begriff der Leckage.

Die Verringerung der Emissionen wäre insgesamt also kleiner als die Verringerung in den ambitionierten Ländern - was schlecht für das Klima ist. Anders verhält es sich mit der Entfernung von CO2. Wenn ehrgeizige Länder das Treibhausgas aus der Atmosphäre entfernen, hat dies keinen Einfluss auf Angebot und Nachfrage nach fossilen Brennstoffen. Daher hat es auch keinen Einfluss auf deren internationale Preise. Deshalb ist es aus Sicht der Autoren sinnvoll, jede Tonne CO2, die aus der Atmosphäre entfernt wird, stärker zu unterstützen als den Preis für die Emissionen. Bei der Entfernung von CO2 tritt diese Art der Leckagen über internationale Märkte, wie sie bei der Bepreisung von Kohlenstoff entstehen, nicht auf.

Leuchtturm DAC+S-Anlage in Island erreicht wichtige Meilensteine
Zu den Technologien zur CO2-Abscheidung gehört zum Beispiel die Aufforstung, da Bäume das Gas auf natürliche Weise aus der Luft aufnehmen und in ihren Stämmen speichern. Ein weiteres Beispiel ist die direkte Abscheidung von CO2 aus der Luft, Direct Air Capture und Storage (DAC+S) genannt. Große Maschinen saugen hier Treibhausgase direkt aus der Luft ab und speichern sie in unterirdischen Reservoirs.

Einen solchen technischen Ansatz verfolgt die Climeworks AG aus Zürich. Im Juni 2022 gab Climeworks den Spatenstich für seine neueste und größte Anlage zur direkten Luftabscheidung und -speicherung mit dem Namen Mammoth bekannt. Das Projekt wird an einem Standort in Island realisiert.

Mit einer CO2-Abscheidungskapazität von bis zu 36.000 Tonnen pro Jahr bei vollem Betrieb stellt Mammoth einen wichtigen Meilenstein im ehrgeizigen Scale-up-Plan von Climeworks dar. Das Unternehmen möchte in den 2030er-Jahre eine Multi-Megatonnen-Kapazität und bis 2050 eine Gigatonnen-Kapazität erreichen.

Große Fortschritte macht in Island der Bau der Prozesshalle, bei der mittlerweile die Verkleidung des Gebäudes fertiggestellt ist. In der Prozesshalle wird das abgeschiedene CO2 vor seiner unterirdischen Sequestrierung gereinigt und kondensiert, bevor es in Wasser aufgelöst und unterirdisch abgeschieden wird, wo es dank seiner Mineralisierungsmethode nach Angaben von Climeworks zu Stein wird. Für das Projekt sollen insgesamt 72 DAC+S-Einheiten für die CO2-Entnahme aus der Luft errichtet werden, von denen jeweils drei auf einem Fundament gestapelt werden. Dazu wurden bislang die ersten Fundamente installiert. Zudem wurde mit dem Bau der Wartungshalle begonnen.


© IWR, 2022


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29.12.2022

 



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