Agri-PV belastet durch EU-Konflikt: Sonntag Energy übernimmt GridParity-Geschäft
© Sonntag EnergyLindau - Die Sonntag Energy GmbH übernimmt aus der Insolvenz der GridParity AG den Geschäftsbereich Agri-PV. Zur Übernahme gehören die Marke „Agri-PV“, die Domains agripv.de und agri-pv.de sowie der bisherige Webauftritt.
Die Übernahme fällt in eine schwierige Phase für den Markthochlauf der Agri-Photovoltaik in Deutschland. Wichtige zusätzliche Verbesserungen aus dem Solarpaket I können bis heute wegen eines beihilferechtlichen EU-Konflikts nicht angewendet werden. Die grundsätzliche EEG-Regelung von Agri-PV ist davon nicht betroffen. Sonntag Energy setzt auf ein erweitertes Geschäftsmodell, das Agri-PV mit Batteriespeichern und einer flexibleren Stromvermarktung verbindet.
GridParity nach Insolvenz: Sonntag Energy übernimmt Agri-PV-Geschäft
GridParity gehörte zu den frühen Anbietern von Agri-PV-Lösungen in Deutschland und entwickelte unter anderem eigene Module und Anlagenkonzepte. Nach der Insolvenz übernimmt Sonntag Energy nun den Agri-PV-Geschäftsbereich. Das Unternehmen will zudem prüfen, ob von GridParity entwickelte oder angebahnte Projekte unter den heutigen Rahmenbedingungen weitergeführt werden können.
Betroffene Projektpartner und Landwirte können sich dazu an Sonntag Energy wenden. Gemeinsam soll geprüft werden, wie sich die jeweiligen Vorhaben weiterentwickeln lassen.
Agri-PV plus Batteriespeicher: Sonntag Energy erweitert Geschäftsmodell
Strategisch setzt Sonntag Energy auf die Kombination von Agri-PV und Batteriespeichern. Typische Projekte sollen nach Unternehmensangaben 1 bis 2 MWp Photovoltaikleistung mit 1 bis 2 MW Batteriespeicherleistung verbinden. PV-Anlage und Speicher nutzen gemeinsam Trafostation und Netzverknüpfungspunkt.
Batteriespeicher ermöglichen es, erzeugten Solarstrom zeitversetzt zu nutzen oder zu vermarkten und den vorhandenen Netzanschluss flexibler auszulasten. Zusätzlich können Speicher unabhängig von der Solarstromerzeugung am Strommarkt eingesetzt werden.
„Wer Erzeugung, Speicher, Netz und Verbrauch zusammendenkt, schafft neue Spielräume für die Wirtschaftlichkeit. Genau darin liegt aus unserer Sicht die nächste Entwicklungsstufe der Agri-PV“, sagt Sonntag-Energy-Mitgründer Josef Haverkampf.
Das Unternehmen konzentriert sich auf hofnahe und baurechtlich privilegierte Agri-PV-Anlagen. Anders als bei klassischen Pachtmodellen sollen Landwirte selbst Eigentümer und Betreiber ihrer Anlagen werden können.
Solarpaket I: EU-Konflikt verzögert Verbesserungen für Agri-PV
Das Solarpaket I wurde im April 2024 vom Bundestag beschlossen. Die seitdem ausstehende beihilferechtliche Genehmigung für Teile der Neuregelungen bedeutet keinen Förderstopp für Agri-PV. Bis zur Genehmigung gelten die bisherigen EEG-Regelungen weiter. Noch nicht angewendet werden können jedoch zusätzliche Verbesserungen, darunter für bestimmte Agri-PV-Anlagen der erhöhte Höchstwert und das besondere Zuschlagsverfahren.
Die ausstehende Genehmigung betrifft zudem nicht allein Agri-PV, sondern mehrere beihilferelevante Neuregelungen des Solarpakets I. Die EU-Kommission macht die Genehmigung von einem Claw-back-Mechanismus abhängig, mit dem eine Überkompensation bei hohen Markterlösen verhindert werden soll. Die Bundesregierung hatte dagegen argumentiert, dass eine entsprechende europarechtliche Verpflichtung erst ab Mitte 2027 greife. Eine Einigung kam bislang nicht zustande.
Dass der Claw-back der entscheidende Punkt ist, zeigt der Vergleich mit der Biomasse: Die EU-Kommission genehmigte das deutsche Biogaspaket am 18. September 2025 im Beihilfeverfahren SA.118542 mit einem Fördervolumen von insgesamt 7,9 Mrd. Euro (Beschluss C(2025) 6501). Die Kommission stufte die Änderungen als notwendig und angemessen ein und sah die Förderung auf das erforderliche Minimum begrenzt. Nach Angaben der Bundesregierung drohte in diesem Fall ausnahmsweise keine Überkompensation, sodass kein Claw-back-Mechanismus erforderlich war.
Mit der Kombination aus Agri-PV, Batteriespeichern und Stromvermarktung will Sonntag Energy zusätzliche Erlösquellen erschließen und die Wirtschaftlichkeit der Projekte über die reine Solarstromerzeugung hinaus verbessern.
© IWR, 2026
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