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Vier-Stunden-Großspeicher: Enlight und Enertrag starten Bau von 840-MWh-Projekt in Brandenburg

© Tom Schweers© Tom SchweersMünster - Enlight Renewable Energy und Enertrag haben im brandenburgischen Bertikow mit dem Bau eines Batteriespeichers mit 200 MW Leistung und rund 840 MWh Kapazität begonnen. Die Inbetriebnahme ist für das vierte Quartal 2027 geplant.

Der Ausbau großer Batteriespeicher in Deutschland gewinnt an Dynamik. Mit der wachsenden Zahl geplanter Projekte wird der Zugang zum Stromnetz jedoch zunehmend zu einer zentralen Herausforderung für die Branche. Die Bundesregierung will die Vergabe knapper Netzanschlusskapazitäten deshalb neu regeln. Sowohl die Übertragungsnetzbetreiber als auch Branchenverbände fordern Nachbesserungen am geplanten Netzanschlusspaket, setzen dabei jedoch unterschiedliche Schwerpunkte.

Batteriespeicher Bertikow: 840 MWh Kapazität und mehr als vier Stunden Speicherdauer
Der Batteriespeicher von Enlight und Enertrag entsteht in der Gemeinde Uckerfelde unmittelbar am Umspannwerk Bertikow. Das von Enertrag betriebene Umspannwerk wurde gemeinsam mit 50Hertz modernisiert und im November 2025 eingeweiht. Für das neue Batteriespeicherprojekt sind die Grundstücksrechte und der Netzanschluss laut den Projektpartnern bereits gesichert. Der offizielle Spatenstich für den Speicher fand am 13. Oktober 2026 statt. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.

Mit 200 MW Leistung und rund 840 MWh Kapazität erreicht der Speicher rechnerisch 4,2 Stunden Entladedauer bei voller Leistung. Der kommerzielle Betrieb soll im ersten Halbjahr 2028 beginnen.

Die Anlage soll voraussichtlich am Day-Ahead- und Intraday-Markt sowie an den Regelleistungsmärkten teilnehmen. Für den an der Nasdaq und in Tel Aviv notierten Konzern Enlight markiert Bertikow den Einstieg in den deutschen Batteriespeichermarkt.

EDF Trading sichert sich Speicherkapazitäten für sieben Jahre
Für einen Teil der Speicherkapazität besteht ein siebenjähriger Abnahmevertrag mit EDF Trading. Die Vermarktungsoptimierung des Batteriespeichers übernimmt der Münchner Spezialist Entrix. Zum Umfang der gebundenen Kapazität und zu den finanziellen Vertragskonditionen liegen keine Angaben vor. Für Enlight ist dies die erste BESS-Abnahmetransaktion in Europa.

Enertrag und EDF Trading kooperieren bereits beim Co-Location-Projekt Brüssow in Brandenburg, das 44,5 MW Photovoltaikleistung mit einem Batteriespeicher von 5 MW und 10 MWh kombiniert. Die Vermarktung erfolgt über einen siebenjährigen Stromabnahmevertrag mit EDF Trading und einen ebenfalls siebenjährigen Tolling-Vertrag mit Energy2market. Der Speicher soll zunächst fünf Jahre als Grünstrom-Co-Location und anschließend zwei Jahre als Graustrom-Co-Location vermarktet werden. Während in Brüssow die gemeinsame Vermarktung von Solarstrom und Batteriespeicher im Mittelpunkt steht, ist das Projekt in Bertikow auf die großskalige Speicherung und Vermarktung von Strom ausgerichtet.

Netzanschlüsse für Batteriespeicher: Netzbetreiber fordern politische Priorisierung - Branchenverbände verlangen klare Regeln
Mit dem Ausbau großer Batteriespeicher gewinnt die rechtzeitige Sicherung von Netzanschlusskapazitäten neben der Finanzierung und Vermarktung zunehmend an Bedeutung. Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber bezifferten die Anschlusszusagen für Batteriespeicher im September 2026 auf 71,8 GW im Übertragungsnetz. Hinzu kommen mindestens rund 30 GW im Verteilnetz. Damit summieren sich die von den Netzbetreibern genannten Anschlusszusagen rechnerisch auf rund 102 GW. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass diese Speicherleistung später tatsächlich installiert wird.

Auch im Netzgebiet von 50Hertz, zu dem Bertikow gehört, ist die Nachfrage hoch. Im März 2026 lagen dort Anfragen für weitere 140 Batteriespeicherprojekte mit rund 53 GW vor. Im Vorjahr hatte der Netzbetreiber Anschlusszusagen für 26 Großbatteriespeicher mit rund 12 GW erteilt. Seit April 2026 setzen die vier Übertragungsnetzbetreiber auf ein Reifegradverfahren, bei dem der Entwicklungsstand und die Realisierungswahrscheinlichkeit der Projekte stärker berücksichtigt werden.

Parallel dazu berät der Bundestag über das Netzanschlusspaket der Bundesregierung. Bei der öffentlichen Anhörung am 7. Oktober 2026 forderten die vier Übertragungsnetzbetreiber weitergehende politische Vorgaben. Bund oder Bundesnetzagentur sollen festlegen, welche Anteile der verfügbaren Anschlusskapazitäten für Batteriespeicher, Industrie, Rechenzentren und andere Nutzergruppen reserviert werden. Die Netzbetreiber wollen damit vermeiden, selbst über wirtschafts- und industriepolitische Prioritäten entscheiden zu müssen.

Der Bundesverband Energiespeicher Systeme (BVES) kritisierte bereits im Juli 2026 den damaligen Referentenentwurf, weil zusätzliche Kosten und Risiken auf Projektentwickler verlagert würden, ohne die Anschlussverfahren ausreichend zu beschleunigen. In einer weiteren Stellungnahme vom Oktober fordert der Verband verbindliche Fristen, transparente Priorisierungskriterien, belastbare Anschlusszusagen und eine diskriminierungsfreie Berücksichtigung von Energiespeichern. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) begrüßt die grundsätzliche Reformrichtung, verlangt aber rechtssichere Regeln für die Vergabe knapper Kapazitäten und verlässlichen Bestandsschutz. Der BDEW fordert außerdem, den Netzausbau zu beschleunigen.


© IWR, 2026


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