Dual Fluid-Reaktor: Bekommt Leuna ein Atomkraftwerk für 1 Milliarde Euro?
Chemnitz - Die Idee einer Rückkehr der Atomenergie ist für die FDP-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt eine Option, ein solcher Neubau könnte danach am Chemiestandort Leuna erfolgen. Das berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. In Chemnitz wurde jetzt das Dual Fluid-Reaktorkonzept vom kanadisch-deutschen Unternehmen Dual Fluid Energy Inc. mit Sitz in Vancouver, Kanada, vorgestellt.
Götz Ruprecht, Geschäftsführer von Dual Fluid präsentierte die Entwicklung eines nach eigenen Angaben völlig neuartigen Kernreaktors, der sich im Vergleich zu heutigen Leichtwasserreaktoren durch eine hohe Effizienz auszeichnet. Technisch zielt Dual Fluid auf eine andere Art der Kernspaltung ab, die auf flüssigem Brennstoff und Bleikühlmittel bei einer Betriebstemperatur von 1.000 Grad basiert.
Doch wie realistisch ist ein solches privatwirtschaftliches Atomkraftwerk in Leuna, zumal es noch keinen operativen Prototypen gibt? Die Entwicklungskosten für die „kleine“ Variante, das 300 MW-AKW DF300, gibt das Unternehmen laut dem Dual Fluid Whitepaper mit etwa 6 Mrd. USD an (Zeithorizont: ca. 8 Jahre). In dem Leitfaden ist jedoch nicht nur die Finanzierung einer solchen hohen Summe unklar. Auch ist nicht erkennbar, welche Investoren letztendlich das Risiko einer solchen Milliarden-Investition tragen.
Neben der „kleinen“ 300 MW-Anlage ist eine weitere Version mit 1.500 MW Leistung (DF1500) angedacht, das entspricht schon fast der Kraftwerksleistung des seit 17 Jahren im Bau befindlichen Atomkraftwerks Flamanville (Bruttoleistung: 1.650 MW). Die Kosten für das französische AKW mit vergleichbarer Leistung wie der des DF1500 gibt der französische Rechnungshof mit Stand vom August 2020 mit 19,1 Mrd. Euro an. Die Gesamtinvestitionskosten für die zukünftigen Betreiber (z.B. Energieversorgungsunternehmen) des DF1500 von Dual Fluid wären mit dem angegebenen Schätzpreis von 4 Mrd. USD um ein Vielfaches niedriger.
Für Betreiber der kleineren Variante DF300 sollen sich die Investitionskosten für das 300 MW-Kraftwerk einmal auf ca. 1,1 Mrd. USD (rd. 1 Mrd. Euro) belaufen. Mit dem Kraftwerk sei es danach möglich, 500.000 Haushalte mit Strom zu versorgen, inklusive Brennstoff für 25 Jahre, so Dual Fluid.
Geplant ist, dass der Prototyp eines Dual Fluid Reaktors innerhalb dieses Jahrzehnts, d.h. bis Ende 2030, in Betrieb gehen soll. Bei der Partner- und Standortsuche für den Bau des Prototypens ist Dual Fluid nun im afrikanischen Ruanda fündig geworden. Dazu hat das Rwanda Atomic Energy Board (RAEB) im September 2023 eine Vereinbarung mit Dual Fluid unterzeichnet. Nach den aktuellen Planungen soll ein Demonstrationsreaktor - mit einer noch nicht genannten Leistungsgröße (MW) - schon bis 2026 betriebsbereit und die anschließende Erprobung der Technologie bis 2028 abgeschlossen sein.
© IWR, 2026
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