Küsten-AKWs wegen Klimawandel unter Druck: Quallenplage zwingt EDF erneut zur ungeplanten Abschaltung französischer Atomkraftwerke
Paris - Am Kernkraftwerksstandort Paluel in der Normandie, an der Küste nahe Le Havre, wurde am Mittwoch, den 3. September 2025, das Atomkraftwerk Nr. 4 vom staatlichen Energieversorger EDF sicher abgeschaltet. Ursache war ein massives Auftreten von Quallen, die die Filtertrommeln und Vorsiebe der Kühlwasser-Pumpstation im nichtnuklearen Teil der Anlage verstopften. Gleichzeitig wurde nach Angaben von EDF die Leistung des Atomkraftwerks Nr. 3 vorsorglich reduziert, sodass sie nur teilweise am Netz ist. Es ist nicht die erste Störung der AKW-Stromproduktion durch Quallen in Frankreich.
Am Atomkraftwerks-Standort Paluel stehen vier Druckwasserreaktoren mit jeweils 1.330 MW Bruttoleistung zur Verfügung, was einer Gesamtkapazität von 5.320 MW (5,3 GW) entspricht. Der aktuelle Betriebsstand:
Reaktor 1: läuft mit voller Leistung (1.330 MW)
Reaktor 2: planmäßige Wartung, abgeschaltet (0 MW)
Reaktor 3: reduziert am Netz wegen Quallen
Reaktor 4: vollständig abgeschaltet wegen Quallen (0 MW)
Die Anlagenteams arbeiten daran, das Atomkraftwerk Nr. 4 wieder sicher in Betrieb zu nehmen und die volle Leistung des Kernkraftwerks Nr. 3 wiederherzustellen.
Auch am Kernkraftwerksstandort Gravelines in Nordfrankreich kam es kürzlich zu ähnlichen Problemen: Am Sonntagabend, 10. August 2025, wurden die Reaktoren 2, 3 und 4 automatisch abgeschaltet, nachdem ein massiver Quallenschwarm die Filtertrommeln der Kühlwasserpumpen blockierte. Am Montagmorgen, 11. August 2025, folgte Reaktor 6. Die Einheiten 1 und 5 waren bereits wegen Wartungsarbeiten außer Betrieb, sodass das gesamte Kraftwerk mit sechs Druckwasserreaktoren vorübergehend stillstand. Gravelines ist mit einer Bruttoleistung von rund 5.460 MW der leistungsstärkste AKW-Standort Frankreichs.
EDF betont, dass die Quallenplagen keine Auswirkungen auf die nukleare Sicherheit von Anlagen, Personal oder Umwelt hatten. Die Vorfälle verdeutlichen jedoch die zunehmenden Herausforderungen für Küsten-AKWs durch den Klimawandel und steigende Meerestemperaturen, die unerwartete Quallenblüten begünstigen und den Betrieb stören können.
© IWR, 2026
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