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Saudi-Arabien drängt in den grünen Wasserstoff-Markt

© Fotolia/Adobe© Fotolia/AdobeMünster – Bisher ist der Wüstenstaat Saudi-Arabien vor allem für seine großen Ölvorräte und Ölexporte bekannt. Doch schon bald könnte Wasserstoff das neue Öl sein. Auch die Bundesregierung setzt auf Saudi-Arabien, um den zukünftigen Bedarf an „grünem“ Wasserstoff zu decken.

Saudi-Arabien bereitet sich bereits auf die Zeit nach dem Öl vor und setzt seine Zukunftsvision für das Land schon um. Den Markt für Wasserstoff will das Land gleich von Beginn an mitgestalten. Die Voraussetzungen vor Ort sind günstig, eine neue Pipeline könnte den Wasserstoff direkt nach Europa liefern. Dreh- und Angelpunkt ist das visionäre Megaprojekt NEOM in Saudi-Arabien.

Altmaier sieht hohen Importbedarf an Wasserstoff - Deutschland und Saudi-Arabien unterzeichnen Absichtserklärung
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Abdulaziz bin Salman Al Saud, Energieminister Saudi-Arabien, haben am 11. März 2021 eine „Gemeinsame Absichtserklärung zur Gründung einer Wasserstoffzusammenarbeit zwischen Deutschland und Saudi-Arabien“ unterzeichnet. Die Vereinbarung im Rahmen des Deutsch-Saudischen Energiedialogs unterstreicht den Willen beider Länder, in den Bereichen Erzeugung, Weiterverarbeitung, Anwendung und Transport von grünem Wasserstoff eng zu kooperieren, teilte das BMWi mit.

Das BMWi sieht für Deutschland einen Bedarf von 90 – 110 TWh an klimaneutralem Wasserstoff bis 2030, der laut BMWi zu einem hohen Anteil durch Importe gedeckt werden müsse. Saudi-Arabien könne langfristig ein wichtiger Importeur von grünem Wasserstoff werden, so das BMWi. Deutschland und Saudi-Arabien streben daher eine Zusammenarbeit bei der Umsetzung konkreter Wasserstoffprojekte an, beispielsweise in der neuen Wirtschaftsregion NEOM. Das BMWi wird bei der Umsetzung der Wasserstoffzusammenarbeit mit Saudi-Arabien von dem Büro der deutschen Wirtschaft in Road (GESALO) und Guidehouse unterstützt.

Zukunft: Die gigantische Megaregion NEOM in Saudi-Arabien wird internationale Drehscheibe
Saudi-Arabien plant mit dem Projekt NEOM im Nordwesten des Landes eine gigantische Megastadt bzw. einen Wirtschaftsraum direkt am Roten Meer und investiert in dieses Zukunftsprojekt rd. 420 Mrd. Euro (500 Mrd. USD). Das Ziel ist es, das „städtische Leben zu revolutionieren“. Die Stadt NEOM wird oberirdisch autofrei sein und keine Straßen haben, der Verkehr, sämtliche Versorgungsstrukturen sowie die Logistik befinden sich unterirdisch. Die Region soll Heimat und Arbeitsplatz für mehr als eine Million Einwohner aus der ganzen Welt sein mit Häfen, Unternehmenszonen, Forschungseinrichtungen, Sport- und Unterhaltungsstätten sowie touristische Ziele umfassen.

Die ersten Gäste will Saudi-Arabien bereits bis Ende 2022 willkommen heißen, wenn der internationale Flughafen und die ersten vier Hotels eröffnet werden. Die verbleibenden 12 Hotels, deren Fertigstellung in Phase 1 geplant ist, werden 2023 eröffnet und bieten insgesamt 3.000 Zimmer auf fünf Inseln und zwei Inland-Resorts. Nach Fertigstellung im Jahr 2030 soll es 50 Hotels mit bis zu 8.000 Hotelzimmern und rund 1.300 Wohnimmobilien auf 22 Inseln und sechs Standorten im Landesinneren geben.

Energieversorgung in NOEM nur durch erneuerbare Energien
Die Energieversorgung der neuen Wirtschaftsregion NEOM erfolgt ausschließlich durch erneuerbare Energien. Dazu hat die Entwicklungsgesellschaft, die Red Sea Development Company (TRSDC), einen Auftrag an ein von der saudischen ACWA Power geführtes Konsortium vergeben, die gesamte Versorgungs- und Entsorgungsstruktur zu etablieren. Die Trinkwasseraufbereitung gehört ebenso dazu wie ein Abfallentsorgungszentrum, eine innovative Kläranlage und eine Energieversorgung, die ausschließlich auf erneuerbaren Energien basiert.

Anfangs wird der Strombedarf durch Wind- und Solaranlagen laut ACWA Power mit einer Leistung von 210 MW gedeckt, die Leistung kann später weiter aufgerüstet werden. Im Paket ist zudem ein riesiger Batteriespeicher mit einer Speicherkapazität von 1 GWh enthalten, um rund um die Uhr vollständig netzunabhängig zu bleiben.

Vision: Neue Wasserstoff-Pipeline zwischen Saudi-Arabien und Europa?
Eine weitere Vereinbarung zwischen der amerikanischen Air Products, ACWA Power und dem gleichnamigen Unternehmen NEOM Co. sieht den Bau einer auf grünem Wasserstoff basierenden und mit erneuerbaren Energien betriebenen Produktionsanlage für Ammoniak vor. Air Products wird der exklusive Abnehmer des grünen Ammoniaks im geplanten Volumen von 1,2 Mio. Tonnen pro Jahr sein und beabsichtigt, dieses in die ganze Welt zu transportieren. Die geplante Anlage kostet 4 Mrd. Euro (18 Mrd. Saudi-Rial).
Die Produktion des grünen Wasserstoffs für die Herstellung des Ammoniaks erfolgt mit einer installierten Leistung von 4 GW an erneuerbaren Energien und mit Hilfe der Elektrolyseur-Technologie von Thyssenkrupp. Das Projekt soll im Jahr 2025 in Betrieb genommen werden.

Grüner Wasserstoff könnte aber auch schon bald auf ganz anderem Weg nach Europa transportiert werden als bisher. Peter Terium, ehemaliger CEO von RWE und Innogy, ist für die NEOM Co. tätig und sagte gegenüber der niederländischen Webseite Recharge: „Wenn ich mir anschaue, wie das Erdgas von Russland nach Europa kommt, ist es auch nicht viel weiter als wenn man eine Wasserstoffpipeline für NEOM durch Ägypten, Nordafrika und dann bis nach Europa baut". Zumindest wird es sich Saudi-Arabien nicht nehmen lassen, alle Exportoptionen zu prüfen.

© IWR, 2021


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16.03.2021

 



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