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Britische Regierung plant weltweit führende Wasserstoffwirtschaft

© Fotolia © Fotolia London – Die britische Regierung hat gestern den Startschuss zum Aufbau der weltweit führenden Wasserstoffwirtschaft gegeben und ihre eigene Strategie veröffentlicht. Tausende von Arbeitsplätzen sollen durch die Regierungspläne geschaffen werden. Nach dem Vorbild der britischen Offshore-Windindustrie ist geplant, einen industriellen Wasserstoff-Markt zu etablieren.

Basierend auf einem Zehn-Punkte-Plan von Premierminister Boris Johnson will Großbritannien eine „grüne Revolution“ vorantreiben und mit ihrer Wasserstoff-Strategie besser sein als die EU. Im britischen Sheffield ist gestern (17.08.2021) schon einmal die weltgrößte Elektrolyseur-Fabrik eröffnet worden.

EU legt bei Wasserstoffwirtschaft vor – Großbritannien kontert
Die EU-Kommission hat im Juli 2020 mit dem Green Deal auch eine EU-Wasserstoffstrategie mit Stufenplan vorgelegt und damit international überrascht. Vorrangiges Ziel ist danach der Wasserstoff aus Ökostrom, kurz- und mittelfristig sind auch andere Formen CO2-armen Wasserstoffs erforderlich. Bis 2024 soll in der EU die Installation von Elektrolyseuren zur Herstellung von Wasserstoff mit einer Elektrolyseleistung in den Mitgliedsländern von mindestens 6 Gigawatt (6.000 MW) und die Erzeugung von bis zu 1 Million Tonnen erneuerbarem Wasserstoff unterstützt werden. Zwischen 2025 und 2030 ist geplant, dass die Elektrolyseleistung in der EU auf mindestens 40 GW steigt und die Wasserstoff-Produktion auf 10 Mio. Tonnen klettert.

Großbritannien will nach dem Vorbild der Finanzierung der britischen Offshore Windindustrie eine boomende Wasserstoffwirtschaft etablieren und bis 2030 eine kohlenstoffarme Wasserstoffproduktion mit einer Leistung von 5 GW (5.000 MW) errichten. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte eine boomende, britische Wasserstoffwirtschaft 900 Mio. Pfund (ca. 1 Mrd. Euro) wert sein und bis 2030 über 9.000 hochwertige Arbeitsplätze schaffen, so die britische Ankündigung.

Britische Regierung setzt beim Wasserstoff-Hochlauf auf ein Contracts for Difference (CfD)-Programm
„Der Ansatz der britischen Regierung basiert auf dem früheren Erfolg des Vereinigten Königreichs im Bereich Offshore-Windenergie, wo frühzeitiges staatliches Handeln in Verbindung mit einer starken Unterstützung des Privatsektors dem Vereinigten Königreich einen weltweit führenden Status verschafft hat,“ so die Ministerin für Energie und Klimawandel, Anne-Marie Trevelyan. Eines der wichtigsten Instrumente, mit denen die Regierung den Aufbau von Offshore-Windindustrie im Vereinigten Königreich unterstützte, war laut Tevelyan das Contracts for Difference (CfD)-Programm, das Anreize für Investitionen in erneuerbare Energien bietet, indem es den Projektierern und Entwicklern direkten Schutz vor volatilen Großhandelspreisen bietet und Verbraucher davor bewahrt, bei hohen Strompreisen höhere Förderkosten zu zahlen.

Eröffnung der weltgrößten Elektrolyseur-Fabrik von ITM Power in Sheffield
Das Unternehmen ITM Power ist ein britisches Unternehmen, das auf die Herstellung von Elektrolyseure spezialisiert ist. Kwasi Kwarteng, Staatssekretär für Wirtschaft und Energie eröffnete am 17.08.2021 offiziell die neue Gigafactory von ITM Power und stellte dabei gleichzeitig die neue britische Wasserstoffstrategie vor. In der Fabrik können pro Jahr Elektrolyseure mit einer Leistung von 1.000 MW (1 GW) hergestellt werden. An dem Standort sind aktuell 320 Mitarbeiter/innen beschäftigt, Tendenz je nach Auslastung steigend.

IWR: Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland ohne industrielles Fundament
In Deutschland basiert der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft auf der Nationalen Wasserstoffstrategie. Die Bundesregierung will „einen kohärenten Handlungsrahmen für die künftige Erzeugung, den Transport, die Nutzung und Weiterverwendung von Wasserstoff und damit für entsprechende Innovationen und Investitionen schaffen“, so der Plan.

Doch die Grundlage für industrielle Wertschöpfung, d.h. die Herstellung und Produktion von Anlagen zur Wasserstoffproduktion wie Elektrolyseure, fehlt nach Einschätzung des IWR-Instituts hierzulande. „Der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in der EU und auch in Deutschland findet bisher ohne industrielles Fundament statt“, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. Der einseitige Fokus auf die Nutzungswertschöpfung reicht danach nicht aus. Allnoch:“ Mit der aktuellen diskontinuierlichen Wasserstoff-Projektförderung und ohne ein marktkonformes Vermarktungs-Instrument werden sich industrielle Strukturen auf diesem Zukunftsfeld in unserem Wirtschaftsraum nur schwer oder gar nicht entwickeln.“

© IWR, 2021


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