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Strompreise: Milliarden-Überschüsse auf dem EEG-Umlagekonto steigen auf neues Allzeithoch

© Fotolia/Adobe© Fotolia/AdobeMünster - Während die Stromkunden unter den aktuell steigenden Strompreisen ächzen, häufen sich auf dem EEG-Umlagekonto paradoxerweise immer höhere Milliarden-Überschüsse an. Grund für die explodierenden Strompreise in Deutschland und anderen europäischen Ländern ist auch der massive Ausfall französischer Atomkraftwerke im Dezember 2021.

Die Kapriolen auf dem europäischen Strommarkt sorgen derzeit für heftige Turbulenzen und Verwerfungen. Die hohen Börsen-Strompreise führen auf der anderen Seite dazu, dass die Überschüsse auf dem EEG-Umlagekonto mit Stand Januar 2021 auf 12,7 Milliarden Euro (Dezember 2021: 10,7 Mrd. Euro) und damit auf einen Rekordwert ansteigen. Geld der Stromkunden, das nicht gebraucht wird.

12,7 Milliarden Überschuss auf dem Konto im Januar 2022 - wie die EEG-Umlage für den Ökostrom funktioniert
Die deutschen Stromkunden zahlen die festgesetzte EEG-Umlage (akt. 3,72 ct/kWh) auf das von den privaten Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) geführte EEG-Umlagekonto ein. Über dieses Konto fließen die Auszahlungen an die Betreiber der EEG-Anlagen, aber auch die Einzahlungen durch den Verkauf des EEG-Ökostroms an der Strombörse sowie die EEG-Umlagebeiträge der Stromkunden.

Der Staat legt über ein Ausschreibungsverfahren die Untergrenze, d.h. die Mindest-Vergütungssätze für den EEG-Ökostrom fest. Für den Windstrom an Land sind das seit mehreren Jahren im Ergebnis der Ausschreibungen um die 6 ct/kWh, für den Solarstrom werden rd. 5 ct/kWh ermittelt, Tendenz sinkend. Der von den Betreibern erzeugte EEG-Ökostrom muss dann an der Strombörse (Spotmarkt) verkauft werden, so will es das Gesetz. Liegt der Verkaufserlös für den EEG-Ökostrom unter der Mindestvergütung, dann wird die Differenz bis zur Mindestvergütung über das EEG-Konto erstattet. Liegt der Börsen-Verkaufserlös für den EEG-Ökostrom dagegen über dem Mindest-Vergütungssatz, dann wird das EEG-Umlagekonto nicht belastet.

Beispiel: Ein Betreiber erhält für den erzeugten Windstrom in einer Auktion die zugesagten 6 ct/kWh. Beim Verkauf an der Börse werden aber nur 2 ct/kWh erlöst, dann belastet die Differenz zur Mindestvergütung – hier 4 ct/kWh – das EEG-Umlagekonto. Seit dem Jahr 2008, als die Börsenstrompreise bei rd. 8 ct/kWh lagen, sanken die Preise in den Jahren danach durch das Ökostrom-Überangebot bis zum Tiefpunkt im Jahr 2020 auf 2 ct/kWh und teilweise darunter.

Dann die rasante Trendwende: Seit Ende 2020 explodieren die Tages-Börsenstrompreise und erreichten mit über 20 ct/kWh im Dezember 2021 das bisherige Höchstniveau. Im Januar 2022 entspannt sich die Lage zumindest für das Marktgebiet in Deutschland, die Preise sinken auf durchschnittlich 16,8 ct/kWh. Für das EEG-Konto bedeutet das, dass auch viele alte EEG-Anlagen mit höheren zugesicherten Mindestvergütungsätzen durch die hohen Verkaufserlöse für den EEG-Ökostrom das EEG-Konto nicht belasten und sich Milliarden-Überschüsse ansammeln können.

Energiekrise in Frankreich: Massiver Ausfall französischer Kernkraftwerke treibt Strompreise in Europa zusätzlich
Der jüngste rasante Anstieg der Strompreise im Dezember 2021 ist nach Einschätzung des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR) im Ergebnis vor allem auf den massiven und ungeplanten Ausfall französischer Atomkraftwerke zum Winterhalbjahr zurückzuführen. Zeitweise waren mehr als 15, d.h. 30 Prozent, der 56 französischen Atomkraftwerke wegen aufgedeckter technischer Qualitätsmängel bei den AKW-Kontrollen sowie wegen Wartungsverzögerungen auf Grund von Covid-19 nicht verfügbar und abgeschaltet.

Frankreich musste im Dezember 2021 teils bis an die Grenze der technischen Möglichkeiten von seinen Nachbarländern Strom importieren, auch aus Deutschland. Der plötzliche, riesige französische Strom-Importbedarf treibt die Strompreise in Deutschland und den anderen EU-Ländern. Die höchsten Börsen-Strompreise im Tageshandel (Spotmarkt) müssen derzeit weiterhin in Frankreich und der Schweiz bezahlt werden, der Strom ist in beiden Ländern – tagesabhängig – teils zwei bis dreimal so teuer wie in Deutschland.

Stand heute (10.02.2202) sind in Frankreich aktuell nur Atomkraftwerke mit einer Leistung von 45.000 MW von eigentlich über 60.000 MW AKW-Gesamtleistung in Betrieb, d.h. französische Kernkraftwerke mit mehr als 15.000 MW Leistung sind nicht am Netz und können keinen Strom produzieren, trotz hoher französischer Strompreise. Erst zum Sommer 2022 könnte sich die Lage am Strommarkt wieder entspannen, bis der nächste Winter kommt.

© IWR, 2022


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