Neue Qualitätskriterien für Netzbetreiber: Bundesnetzagentur macht Energiewendekompetenz und Digitalisierung sichtbar
© Adobe StockBonn – Die Bundesnetzagentur (BNetzA) weitet ihre Qualitätsregulierung für Stromverteilnetzbetreiber aus. Neben der bisherigen Netzzuverlässigkeit rückt künftig auch die Netzleistungsfähigkeit der Betreiber in den Fokus. Gemessen wird damit erstmals, wie schnell und konsequent die Netzbetreiber die Energiewende umsetzen und ihre Netze digitalisieren. Nach dem zugrundeliegenden Beschluss handelt es sich um einen ersten Schritt, der schrittweise weiterentwickelt werden soll.
Sichtbar wird die neue Systematik in einer neuen Deutschlandkarte, die jetzt veröffentlicht wurde und die Versorgungsqualität aller Verteilnetzbetreiber im Überblick zeigt. Grundlage ist ein Festlegungsprozess der Großen Beschlusskammer Energie, der am 14. Oktober 2024 eingeleitet und am 13. Juli 2026 mit einem Beschluss zur künftigen Methodik der Qualitätsregulierung abgeschlossen wurde. Die Kennzahlen beziehen sich auf das Jahr 2024 und sollen künftig jährlich aktualisiert werden.
Erster Aufschlag statt fertiges System
Nach Angaben der Bundesnetzagentur wird die Karte fortlaufend weiterentwickelt; die aktuelle Fassung markiert damit den Auftakt und nicht den Endstand der neuen Qualitätsregulierung. Das gilt auch für die Kennzahlen selbst: Zu Energiewendekompetenz und Digitalisierung werden zwar ab sofort jährlich Werte ermittelt und veröffentlicht, finanzielle Zu- oder Abschläge auf die Erlösobergrenzen der Netzbetreiber sind damit laut Beschlusstext aber noch nicht verbunden. Eine mögliche Monetarisierung bleibt einer weiteren, künftigen Festlegung vorbehalten. Das Element Netzleistungsfähigkeit mit den Bestandteilen Energiewendekompetenz und Digitalisierung tritt zudem neu neben die seit 2012 bestehende Netzzuverlässigkeit. Weitere Ausprägungen der Netzleistungsfähigkeit will die Behörde laut Beschluss künftig prüfen und bei Bedarf einführen.
Neues Element Netzleistungsfähigkeit
„Mit der Karte zur Versorgungsqualität schaffen wir Transparenz über die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit, also die Energiewendekompetenz und den Digitalisierungsgrad der Verteilnetzbetreiber. So setzen wir Anreize für Verbesserungen", sagt Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur. Bereits bei der Vorstellung der Methodik Mitte Juli hatte Müller betont, dass die Behörde damit Branche, Verbrauchern und Regulierungsbehörden ein klareres Bild des Status quo verschaffen wolle.
Karteninhalte
In der Karte werden die wichtigsten Kennzahlen zur Versorgungsqualität der einzelnen Netzgebiete gebündelt. Dargestellt werden die durchschnittliche Dauer für die Herstellung von Netzanschlüssen, der Digitalisierungsgrad einzelner Bereiche des Netzbetriebs sowie die durchschnittlichen Ausfallminuten je Letztverbraucher durch Versorgungsunterbrechungen. Grundlage sind die im Rahmen der Qualitätsregulierung erhobenen Daten der Netzbetreiber.
© IWR, 2026
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