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Wachsende Nachfrage, knappe Fachkräfte: Fraunhofer ISE beschleunigt Wärmepumpen-Einbau per App

© Fraunhofer ISE© Fraunhofer ISEFreiburg – Um die Installation von Wärmepumpen trotz wachsender Nachfrage und zunehmenden Fachkräftemangels zu beschleunigen, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE im Verbundprojekt „WESPE" unter Führung des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) eine herstellerneutrale App zur digitalen Planung von Heizungsanlagen entwickelt.

Der deutsche Wärmepumpenmarkt wächst weiter kräftig. Nach Angaben des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) und des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) legte der Absatz im ersten Halbjahr 2026 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Für das SHK-Handwerk gewinnt damit die Frage an Bedeutung, wie sich die steigende Nachfrage trotz des Fachkräftemangels bewältigen lässt.

„Heat Pump PlanAR": 3D-Scan und Augmented Reality für die Wärmepumpenplanung
Mit einem Tablet scannen Handwerkerinnen und Handwerker den Heizungsraum dreidimensional und wählen anschließend ein passendes Anlagenschema aus einer Datenbank aus. Die App „Heat Pump PlanAR" platziert die Hauptkomponenten automatisch im erfassten Raum und berechnet eine kostenoptimierte Verrohrungsplanung. Über Augmented Reality lässt sich die Planung direkt vor Ort im Raum betrachten und bei Bedarf manuell anpassen. Nachträgliche Änderungen sind auch am Schreibtisch in einer Virtual-Reality-Ansicht möglich. Am Ende stehen eine Materialliste sowie eine Einschätzung der voraussichtlichen Installationszeit zum Export bereit.

Der Prototyp ist eng mit Handwerksbetrieben entwickelt worden. Grundlage war eine bundesweite Befragung von SHK-Betrieben zu ihren Anforderungen, bei der sich eine Mehrheit ein einziges, integratives Werkzeug für den gesamten Installationsprozess wünschte, um den zeitaufwändigen Datentransfer zwischen verschiedenen Anwendungen zu vermeiden, etwa zur Bestandserfassung, technischen Auslegung oder Angebotserstellung. „Die Installation von Wärmepumpen zu beschleunigen, ist ein wichtiges Ziel, aber auch ein kontinuierlicher Prozess, der durch regelmäßiges Hinterfragen der Arbeitsabläufe und Analysieren von Fehlern und Schwierigkeiten vorangetrieben werden muss", sagt Annette Uhl, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer ISE. Ziel sei ein workflow-übergreifendes Tool gewesen, das den Installationsprozess beschleunigt und die Betriebe entlastet, so Uhl weiter. Einzelne Funktionen der App, darunter die Positionsoptimierung von Komponenten und das Autorouting für Verrohrungen, stehen Softwareanbietern bereits jetzt als lizenzierbarer Webservice zur Verfügung.

195.000 verkaufte Anlagen: Wärmepumpen-Wachstum verschärft Zeitdruck im Handwerk
Rund 195.000 Wärmepumpen wurden laut BWP/BDH-Absatzstatistik im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland abgesetzt. Das entspricht einem Wachstum von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig verweist das Fraunhofer ISE auf den zunehmenden Fachkräftemangel im SHK-Handwerk. „Wer einen SHK-Betrieb führt, weiß: Uns fehlt nicht die Arbeit. Knapp ist vor allem die Zeit unserer Fachkräfte", sagt Frank Senger, Vizepräsident des ZVSHK. Die App soll Handwerksbetriebe und Installateure darin unterstützen, die Installation von Wärmepumpen angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels und des gestiegenen Kostendrucks wesentlich zu beschleunigen.

Drei Jahre WESPE: 15 Handwerksbetriebe und Wissensplattform ab Oktober
Das dreijährige Forschungsprojekt WESPE wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) unterstützt und vom ZVSHK koordiniert. Beteiligt waren neben dem Fraunhofer ISE das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, die Hans Schramm GmbH und die SHK-Innung Berlin sowie 15 Handwerksbetriebe. Neben der App entstanden im Projekt zwei weitere Online-Angebote: Der „WESPE-Check" sowie eine ab dem 5. Oktober 2026 verfügbare Wissensplattform sollen SHK-Betrieben eine kostenlose Selbsteinschätzung der eigenen Prozesse ermöglichen und Optimierungsmöglichkeiten aufzeigen. Bei der WESPE-Abschlussveranstaltung am 17. September in Berlin stellte der ZVSHK die Ergebnisse gemeinsam mit den Projektpartnern vor und diskutierte mit Vertretern aus Handwerk, Wissenschaft und Branche über den Transfer in die Praxis.

Mit dem Projektabschluss richtet sich der Blick nun auf die Marktreife. Die entwickelte App und einzelne Bestandteile stehen Softwareanbietern zur Verfügung, die sie in eigene Lösungen integrieren und kommerzialisieren können. Ob digitale Planungswerkzeuge wie „Heat Pump PlanAR" den Fachkräftemangel im SHK-Handwerk spürbar abfedern, hängt davon ab, wie schnell diese Anbieter die freigegebenen Bausteine in marktreife Produkte überführen.

© IWR, 2026


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29.09.2026

 



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