Turbulente Märkte: Ölpreise brechen erneut um 6 Prozent ein – hohe Gaspreise bleiben
Münster - Die Ölpreise befinden sich schon seit Anfang Juni 2022 auf Talfahrt. Heute kam es zu einem neuerlichen Preisrutsch um bis zu 6 Prozent. Die Ölnotierungen für die amerikanische Sorte WTI sind im heutigen Nachmittagshandel (16.00 Uhr) zwischenzeitlich auf unter 91 Dollar je Barrel gefallen. Das ist ein weiterer Rückgang um 6 Prozent. Anfang Juni 2022 erreichten die Notierungen für ein WTI-Fass noch bis zu 125 Dollar.
Der Preis für die Nordsee-Sorte Brent fällt aktuell um über 5 Prozent auf 94,50 Dollar je Barrel. Grund für die fallenden Ölpreise sind die Konjunktursorgen wegen der steigenden Zinsen, aber auch gedämpfte Wachstumsaussichten in China wegen der Null-Covid-Politik. An den Zapfsäulen kommt der Rückgang der Ölpreise unterdessen noch nicht an.
Während die Ölpreise auf breiter Front sinken, bleiben die Gaspreise in Europa hoch. Der Gaspreis für den August Future 2022 am TTF-Hub hat sich am Spotmarkt von Anfang Juni 2022 (80 Euro/kWh) auf aktuell 178 Euro/kWh mehr als verdoppelt. Hier liegt der Grund auf der Hand: Russland spielt mit dem Gashebel und sorgt mit unklaren Informationen gezielt für Unsicherheit im Markt.
Die politisch geschürte Angstkarte treibt die Gaspreise und führt dazu, dass Russland bei einer aktuellen Verdopplung der Preise nur die Hälfte an Gas liefern muss, um dieselben Einnahmen zu generieren und gleichzeitig maximalen politischen Druck aufbauen zu können. Das geht aber nur solange, bis die Gas-Preiswelle durch die Aussicht auf mehr Gasimporte aus anderen Quellen, Einsparungen und „Fuel Switch“ gebrochen und die russische Abhängigkeit reduziert werden kann.
Die Einspeisung in die europäischen Gasspeicher hält - trotz der Unsicherheiten über die weiteren russischen Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 - unterdessen unvermindert an. Der Füllstand der Gasspeicher aller EU-Staaten steigt derzeit weiter an und beträgt aktuell knapp 62,6 Prozent (Speicherdaten: 12.07.2022, Aktualisierung: 14.07.2022). Bis auf Deutschland (Trend: -0,06%) und Belgien (Trend: -0,15%) verzeichnen alle andere EU-Länder einen steigenden Füllstand der Gasspeicher.
© IWR, 2026
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