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Senkung der Mehrwertsteuer auf Gas soll Gaskunden entlasten

© IWR© IWRBerlin - Angesichts der gestiegenen Gaspreise will die Bundesregierung die Verbraucher bei der Mehrwertsteuer entlasten. Künftig soll die Steuer auf den Gasverbrauch 7 Prozent statt wie bisher 19 Prozent betragen, kündigte Kanzler Scholz gestern (18.08.2022) in Berlin an. Doch was bringt diese Steuersenkung den Gaskunden tatsächlich?

Die Verunsicherung bei Privat- und Industriekunden ist angesichts der Verwerfungen am Gasmarkt riesig. Nach der Bekanntmachung der Höhe der Gasumlage und dem gescheiterten Versucht des Bundesfinanzministers, diese von der Mehrwertsteuer zu befreien, hat die Bundesregierung nun angekündigt, die Mehrwertsteuer auf Gas auf 7 Prozent zu reduzieren. Diese Regelung soll bis März 2024 gelten, solange, wie auch die Gasumlagen erhoben werden.

Scholz erwartet Eins-zu-eins-Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung an die Verbraucher
Die Bundesregierung will die Mehrwertsteuer (MWSt) auf den Gasverbrauch bis 31. März 2024 auf 7 Prozent senken. „Mit diesem Schritt entlasten wir die Gaskunden insgesamt deutlich stärker, als die Mehrbelastung, die durch die Umlagen entsteht, beträgt“, so Bundeskanzler Olaf Scholz über diesen Schritt. Von den Unternehmen erwarte er, dass sie die Steuersenkung eins zu eins an die Verbraucher weitergäben. Das werde auch klar kommuniziert.

Hintergrund für die Mehrwertsteuer ist die Gasumlage, mit der die erhöhten Beschaffungskosten an die Verbraucher weitergeben werden. Gaskunden zahlen ab Oktober zusätzlich rd. 2,4 ct/kWh. Da die EU der Bitte von Bundesfinanzminister Christian Linder, bei der Gasumlage auf die Mehrwertsteuer zu verzichten, nicht entsprechen konnte, bietet die Bundesregierung mit der Senkung der Mehrwertsteuer auf 7 Prozent nun eine Lösung zur Reduzierung der Belastung der Gaskunden. Neben der Gasumlage werden nach Angaben von Scholz auch noch eine Bilanzierungs- und eine Speicherumlage fällig, auf die ebenfalls die Mehrwertsteuer anfällt.

Scholz kündigte zudem an, dass die Bundesregierung in den kommenden Wochen noch ein zusätzliches Entlastungspaket schnüren wird. Über die genaue Ausgestaltung des Pakets wird derzeit beraten.

Steuersenkung kompensiert Mehrkosten durch Gasumlage
Nach einem IWR-Gaskostenvergleich ergeben sich für den Fall, dass ein Neukundenvertrag zugrunde liegt, für verschiedene Haushaltsgröße durch die Anpassungen der Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf 7 Prozent gegenüber der 19 Prozent-Besteuerung ohne Gasumlage aktuell Einsparungen von etwa 1,5 bis 3 Prozent.

Konkret bedeutet dies, dass Single-Haushalte mit Neukundenvertrag bei einem Jahres-Verbrauch von 5.000 kWh derzeit ohne Gasumlage bei 19 Prozent MWSt auf Jahreskosten von etwa 1.700 Euro kommen. Bei einem geänderten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent lägen die Kosten bei etwa 1.530 Euro. Bezieht man die Gasumlage mit 7 Prozent MWSt ein (129 Euro), so ergeben sich Gesamtkosten von rd. 1.660 Euro, d.h. die Einsparung gegenüber dem Ausgangskosten liegt bei rd. 2,5 Prozent (rd. 40 Euro).
Bei Zwei-Personen-Haushalten (12.000 kWh Gasverbrauch) ergeben sich bei 19 Prozent MWSt aktuell Kosten von etwa 3.800 Euro. Bei 7 Prozent MWSt lägen die Kosten inklusive Gasumlage (311 Euro) bei rund 3.730 Euro, die Einsparung beläuft sich damit auf gut 2 Prozent (rd. 70 Euro).
Eine Familie (20.000 kWh Gasverbrauch) käme als Neukunde aktuell bei 19 Prozent MWSt auf Kosten von 6.200 Euro. Mit Gasumlage (518 Euro) und reduzierter MWSt auf den Gasverbrauch lägen die Kosten bei rund 6.090 Euro, die Einsparung beläuft sich damit auf 1,7 Prozent (rd. 110 Euro).

Bei Bestandskunden sieht die Lage unter der Annahme, dass sich für sie an den aktuellen Gaspreisen nichts ändert etwas anders aus. Hier zeigt sich, dass die Kosten trotz Mehrwertsteuersenkung durch die Gasumlage per Saldo steigen. Bei einem Gasverbrauch von 5.000 kWh und derzeitigen Kosten von etwa 900 Euro pro Jahr würden sich die Kosten durch Einführung der Gasumlage bei gleichzeitiger Senkung der Mehrwertsteuer um etwa 40 Euro (rd. 4 Prozent) erhöhen, bei 12.000 kWh Verbrauch steigen die Kosten von 1.950 Euro auf rd. 2.060 Euro an (+ 6 Prozent). Familien mit einem Gasverbrauch von 20.000 kWh und aktuellen Kosten von 3.150 Euro müssten nach Mehrwertsteuersenkung und Einführung der Gasumlage rund 200 Euro (+ 6,4 Prozent) mehr zahlen.

Per Saldo würde die MWSt-Absenkung zum jetzigen Zeitpunkt die Mehrkosten durch die Gasumlage bei Neukundenverträgen leicht überkompensieren, Bestandskunden müssen dagegen mit moderat steigenden Kosten rechnen. Dazu müssten der reduzierte Mehrwertsteuersatz von den Gasunternehmen wie von Bundeskanzler Scholz gefordert auch tatsächlich uneingeschränkt an die Verbraucher weitergegeben werden.


© IWR, 2022


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19.08.2022

 



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