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Fortschrittsmonitor: Energiewende kommt längst nicht so schnell voran wie geplant

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaBerlin - Die Energiewende ist ein Mammutprojekt, dem es bislang noch am Umsetzungstempo fehlt. Da das Investitionsvolumen niedriger ist als erwartet, bleiben auch potenzielle volkswirtschaftliche Wachstumseffekte zu großen Teilen aus, so ein neuer Bericht.

Die Energiewende kommt nicht schnell genug voran. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Analyse, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und Ernst & Young (EY) jetzt veröffentlicht haben. In Zukunft soll der Monitoringbericht jährlich veröffentlicht werden.

Klimaziele mit bisherigem Tempo nicht erreichbar
Der neue „Fortschrittsmonitors Energiewende“ zur Umsetzung der Energiewende von BDEW und EY untersucht anhand von Kennzahlen den aktuellen Stand der Energiewende in Deutschland. Der Bericht zeigt auf, wo die größten Hemmnisse liegen. Der neue Monitor soll künftig jährlich aktualisiert werden, um neben den Fortschritten frühzeitig auch Defizite und Nachholbedarfe aufzuzeigen, die für das Erreichen der Energie- und Klimaschutzziele 2030 zwingend angegangen werden müssen.

Der jetzt veröffentlichte Bericht zeigt, dass insbesondere der Ausbau der Erneuerbaren Energien derzeit noch viel zu langsam verläuft, um die von der Bundesregierung für 2030 formulierten Ziele zu erreichen. In fast allen Sektoren bleibt der Ausbaustatus deutlich hinter den Zielen zurück. So wies beispielsweise der Bereich Photovoltaik 2021 zwar die höchste Zubaurate aller Technologien auf - dennoch ist auch hier die Erreichung der Zielvorgaben für 2030 fraglich.

Großes Nachholpotenzial gibt es aber auch in den Bereichen Netzaus- und -umbau, Digitalisierung und der Elektrifizierung des Verkehrssektors. Zur spürbaren Dekarbonisierung des Wärmesektors müsste zudem der Anteil der Erneuerbaren an der Wärmeversorgung verdreifacht werden - und zugleich der Verbrauch deutlich sinken.

Verantwortlich für den schleppenden Fortschritt ist ein vielfältiges Bündel an Faktoren. Im Fortschrittsmonitor werden unter anderem genannt: der Fachkräftemangel in allen relevanten Sektoren, die mangelnde Verfügbarkeit von Flächen, langwierige und aufwändige Genehmigungs- und Bauverfahren sowie Engpässe bei verschiedenen wichtigen Rohstoffen wie Lithium, Seltenen Erden, Kupfer und Silizium.

Investitionen bleiben hinter Potenzial zurück
Damit die von der Bundesregierung für 2030 gesteckten Ziele erreicht werden können, sind nach der Analyse von BDEW und EY bis dahin Investitionen von geschätzt insgesamt 600 Milliarden Euro (Mrd. Euro) erforderlich. Der mit 498 Mrd. Euro größte Anteil an diesen Investitionen verteilt sich auf den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten mit Erneuerbaren Energien (351 Mrd. Euro), den Ausbau der Strom-Übertragungsnetze (126 Mrd. Euro), den Aufbau der Erzeugungskapazitäten für klimaneutrale Gase (12 Mrd. Euro) sowie die Förderung der E-Mobilität durch den Ausbau der öffentlichen Elektro-Ladeinfrastruktur (9 Mrd. Euro).

Diese Ausgaben würden für eine erhebliche Wertschöpfung bei den Herstellern von Investitionsgütern sorgen (u.a. Windturbinen, Solarmodule oder Elektrolyseure). Für Deutschland schätzen EY und BDEW die auf diese Weise ausgelösten Wertschöpfungseffekte auf durchschnittlich knapp 33 Mrd. Euro jährlich - das entspräche rund einem Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland.

Da die Entwicklung in fast allen relevanten Bereichen hinterherhinkt, können auch die Investitionen, die mit der Energiewende verbunden sind, bislang nicht die erhoffte volkswirtschaftliche Wirkung entfalten. So wurden 2021 nur rund 14,5 Mrd. Euro investiert. Damit wurde nur rund ein Viertel der möglichen Wertschöpfung realisiert (8,6 Mrd. Euro).

„Die Energiewende ist ein Mammutprojekt - und vermutlich das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik. Bislang aber kommen wir längst nicht so schnell voran, wie es möglich und nötig wäre“, so Metin Fidan, Partner bei EY und Leiter des Bereiches Green Transformation und Mining & Metals in der Region Europe West. Das gefährde zum einen das Erreichen der für 2030 anvisierten Ziele, zum anderen entfielen dadurch aber auch große Teile der volkswirtschaftlichen Impulse, die mit den nötigen Investitionen verbunden wären.

„Es ist verständlich, dass angesichts der aktuellen Krise der Fokus der Politik zuletzt an anderer Stelle lag. Doch mit einer erfolgreichen Energiewende schützen wir nicht nur unser Klima, sondern sie trägt auch dazu bei, unabhängig vom Import fossiler Energieträger zu werden“, so die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung Kerstin Andreae. Die Bundesregierung müsse daher nun alle bestehenden Hemmnisse für die Energie- Wärme- und Verkehrswende beseitigen, fordert Andreae.


© IWR, 2023


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