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Was von der UN-Klimakonferenz COP26 in Glasgow bleibt

© Fotolia/Adobe© Fotolia/AdobeMünster – Es ist bereits die 26. UN-Klimakonferenz, zu der sich die Staaten getroffen haben, um über den Klimaschutz zu reden. Dieses Mal in Glasgow. So wie jedes Jahr liegen Enttäuschung und Hoffnung dicht beieinander. Das liegt an den Akteuren, aber auch am Format der Klimakonferenz.

UN-Klimakonferenzen sind zwar das wichtigste Forum auf Staatenebene, um überhaupt den Klimaschutz international zu thematisieren. Doch die Ergebnisse sind mager: im Jahr 1990 erreichte der globale CO2-Ausstoß rd. 22 Mrd. Tonnen. Seit der ersten UN-Klimakonferenz im Jahr 1995 ist bereits ein viertel Jahrhundert vergangen, doch trotz aller gefeierten Konferenzergebnisse ist der jährliche globale CO2-Ausstoß im Ergebnis nicht gesunken, sondern trotz Pandemie auf zuletzt über 34 Mrd. Tonnen gestiegen.

COP 26 in Glasgow: Staaten bekennen sich zum 1,5-Grad-Ziel
Auch auf der diesjährigen UN-Klimakonferenz haben sich die teilnehmenden Staaten zum Klimaschutz bekannt und wollen die Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit auf deutlich unter 2 Grad begrenzen und die „Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad fortsetzen“. Da wird schon als Erfolg die Forderung gefeiert, dass die Länder ihre bislang unzureichenden Klimaschutzpläne für dieses Jahrzehnt bis Ende 2022 „an das Temperaturziel des Pariser Abkommens angleichen“, d.h. drei Jahre früher als bislang geplant.

In der Abschlusserklärung wird festgestellt, dass der Treibhausgas-Ausstoß weltweit noch in diesem Jahrzehnt um 45 Prozent unter das Niveau des Jahres 2010 (ca. 33 Mrd. t CO2) sinken müsste, wenn das 1,5-Grad-Ziel erreichbar bleiben soll. Die aktuell eingereichten nationalen Beiträge führen aber laut einem Synthesebericht bisher nicht einmal dazu, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 unter das Niveau von 2010 fallen. Beim aktuellen Stand der Länderbeiträge zeichnet sich ab, dass die Emissionen Ende 2030 um rd. 13,7 Prozent über dem Niveau des Jahres 2010 liegen werden.

Methan-Emissionen sollen reduziert – Entwaldung soll wieder einmal gestoppt werden
Eine Teileinigung gibt es beim Treibhausgas Methan. Mehr als 100 Staaten haben sich dem Global Methan Pledge angeschlossen und zum Ziel gesetzt, ihre Methanemissionen bis 2030 im Vergleich zu 2030 um mindestens 30 Prozent zu reduzieren. Beim Thema Wälder und Entwaldung haben sich in Glasgow mehr als 100 Staaten dazu verpflichtet, die Zerstörung von Wäldern und anderer Ökosysteme bis zum Ende des Jahrzehnts zu stoppen und ihre Wiederherstellung zu beschleunigen. Fraglich ist allerdings, wie belastbar diese Einigung ist, da 2014 bereits ein vergleichbares Ziel vereinbart wurde, das allerdings wirkungslos geblieben ist.

Das Dilemma beim Kohleausstieg - China und Indien bremsen
Wie schwierig sich die Reduktion der Treibhausgasemissionen darstellt, zeigt das Beispiel Kohle. Der Ausstieg aus der Kohle stand im Mittelpunkt der Klimakonferenz in Glasgow. Zunächst hatte es so ausgesehen, als wenn das schrittweise Auslaufen der Kohle verabschiedet würde. Ein Ende wäre absehbar. In letzter Minute haben China und Indien aber durchgesetzt, dass statt eines „Auslaufens“ nur noch „eine schrittweise Reduzierung“ der Kohlenutzung im Abschlussdokument festgehalten wurde.

IWR: Fehlender Wettbewerb um CO2-freie Investitionen lähmt UN-Klimakonferenzen
Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) sieht in dem Format der UN-Klimakonferenzen einen Grund für die fehlende Dynamik beim globalen Klimaschutz. Die Einstimmigkeit der Staaten führt dazu, dass die langsamsten Staaten das Tempo bestimmen. Aber schon früher haben sich einige Webfehler eingeschlichen, u.a. mit der Verabschiedung des Kyoto Protokolls (1997). „In der Folge standen Staaten wegen ihres CO2-Ausstoßes häufig vor der Welt am Pranger. Diese Methode funktionierte einfach nicht, Staaten lassen sich nicht unter Druck setzen. Dadurch ist viel Zeit verloren gegangen,“ so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch.

Spätestens mit dem Pariser Klimaabkommen erfolgte zwar ein Paradigmenwechsel und aktive Beiträge der Länder zur Erreichung des 1,5 Grad-Ziels stehen seither im Vordergrund. Allnoch: „Auf den UN-Klimakonferenzen wird zu viel über Ausstiege diskutiert und gerungen ohne über den daraus folgenden Einstieg zu reden, also darüber, wohin es gehen soll. Notwendig ist ein sichtbarer Wettbewerb der Staaten um CO2-freie Investitionen und Chancen des Technologietransfers. Eine Art "Investitions-Ranking" der Staaten auf einer UN-Klimakonferenz würde ein starkes und zukunftsorientiertes Signal für einen globalen Klimaschutz aussenden, so Allnoch.

© IWR, 2021


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19.11.2021

 



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