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Gefahr für die Solarbranche - China dominiert Polysiliziumindustrie

© Bernreuter, Sichuan Daily© Bernreuter, Sichuan DailyWürzburg – Der weltweite Boom der Solarindustrie hat die Nachfrage nach Polysilizium und den Ausbau der Produktionskapazitäten in ungeahnte Höhen befeuert. Gleichzeitig rüstet China bei den Produktionskapazitäten beim Rohstoff für die Solar- und Elektronikindustrie mit einer rasanten Expansionswelle massiv auf. Die hohe Abhängigkeit könnte schon bald für europäische Länder zum ernsthaften Problem werden.

Nach einer Studie von Bernreuter Research steigt der Anteil chinesischer Unternehmen an der globalen Polysiliziumproduktion im Jahr 2021 bereits auf mehr als 80 Prozent, schon bald wird der Anteil auf über 90 Prozent klettern. Um die hohe und riskante Abhängigkeit von chinesischen Unternehmen zu reduzieren, sollten nicht-chinesische Lieferketten aufgebaut werden, so die Empfehlung.

Chinesische Polysiliziumunternehmen Tonwei und GCL Technology dominieren Weltmarkt
Laut Bernreuter Research sind die chinesischen Unternehmen Tongwei und GCL Technology (frisch umbenannt von vormals GCL-Poly Energy) nun das neue Führungsduo in der Polysiliziumindustrie. Das geht aus der jüngsten Rangliste der Top-Ten-Produzenten hervor.

Nachdem Tongwei 2020 die deutsche Wacker Chemie AG als weltgrößten Polysiliziumhersteller abgelöst hatte, verdrängte GCL 2021 Wacker auch vom zweiten Platz. Die beiden chinesischen Unternehmen überschritten laut Bernreuter Research 2021 zum ersten Mal einen Jahresausstoß von jeweils 100.000 Tonnen und beide Unternehmen allein werden nach massiver Expansion bis 2023 eine jährliche Produktionskapazität von jeweils 370.000 Tonnen erreichen.

Expansionswelle in China: Wacker wird von chinesischen Herstellern im Ranking durchgereicht
Das deutsche Unternehmen Wacker Chemie ist im Produktions-Ranking für Polysilizium auf den vierten Rang zurückgefallen, knapp hinter Daqo New Energy, ebenfalls aus China, das den dritten Platz behauptete. "Wacker wird einen ähnlichen Kurs nehmen wie der ehemalige Marktführer Hemlock Semiconductor vor einem Jahrzehnt", so Johannes Bernreuter, Folglich wird Wacker danach von zwei weiteren chinesischen Herstellern, Xinte Energy und East Hope, überholt werden und bis 2023 auf Platz sechs abrutschen, prognostiziert Bernreuter Research.

Als Hemlock Semiconductor aus den USA 2012 seine Spitzenposition verlor, hatte China gerade einmal einen Anteil von 30 Prozent an der weltweiten Polysiliziumproduktion. Bis 2021 ist dieser Anteil bereits auf 76 Prozent gestiegen, im Solarsilizium-Sektor sogar auf mehr als 80 Prozent. Da in China derzeit eine gigantische Expansionswelle im Gang ist, wird der Anteil des Landes am weltweiten Polysiliziumausstoß noch weiterwachsen: auf mehr als 90 Prozent. In der Wafer-, Solarzellen- und Modulproduktion hat die chinesische Industrie bereits solche oder noch höhere Marktanteile erreicht.

Bernreuter Research: Europa braucht nicht-chinesische Lieferketten
Chinas Einführung von Zöllen auf Polysilizium-Importe im Jahr 2013 war laut Bernreuter Research der Startschuss für die Expansion der heimischen Polysilicium-Industrie in China. Xinte, Daqo und Tongwei haben 2018/2019 den Sprung auf die 80.000 Tonnen-Marke erreicht und alle drei haben Lieferverträge mit der in China ansässigen Longi Green Energy Technology. Das Unternehmen ist der weltweit größte Hersteller von monokristallinen Solarwafern und plant die Wafer-Produktionskapazitäten von 15.000 MW (15 GW) Ende 2017 auf 120.000 MW (120 GW) bis Ende 2022 zu verachtfachen.

"Russlands Invasion in der Ukraine hat die Augen dafür geöffnet, was es bedeutet, von einem diktatorischen Regime wirtschaftlich abhängig zu sein. Westliche Regierungen sollten nicht denselben Fehler mit China machen", kommentiert Bernreuter. "Es ist höchste Zeit, nichtchinesische Solar-Lieferketten aufzubauen. China hat demonstriert, was die Zutaten für den Erfolg sind: niedrige Strompreise für die energieintensive Polysilizium- und Ingotproduktion, Kreditausfallgarantien für private Investitionen, kosteneffizienter Anlagenbau und strategische Weitsicht."

© IWR, 2022


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