Gegen den Trend: China baut Bestand an Kohlekraftwerken weiter aus
San Francisco, USA - Der weltweite Bestand an Kohlekraftwerken ist in der ersten Hälfte des Jahres 2020 zum ersten Mal in der Geschichte zurückgegangen.
Im ersten Halbjahr sind Anlagen mit 18,3 Gigawatt (GW) ans Netz gegangen, aber Anlagen mit 21,2 GW stillgelegt worden. Das geht aus einer Untersuchung der Klimaschutz-Organisationen Global Coal Plant Trackers und Global Energy Monitor (GEM) hervor. Insgesamt liegt der Rückgang damit weltweit bei 2,9 GW. Dadurch ist die weltweite Gesamtleistung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 auf 2.047 GW zurückgegangen.
Der Rückgang ist nach Angaben von Global Energy Monitor (GEM) auf eine Kombination aus einer verlangsamten Inbetriebnahme im Zuge der Covid-19-Pandemie und Rekord-Stilllegungen in Europa aufgrund verschärfter Luftreinhalte-Vorschriften zurückzuführen. Netto wurden in Europa 8,3 GW stillgelegt, weitere 6 GW sollen im zweiten Halbjahr folgen. Aber auch in Südostasien gehen Planung und der Bau von Kohlekraftwerken deutlich zurück- um etwa 70 Prozent im Vergleich zu den durchschnittlichen Werten seit dem Jahr 2015, so GEM.
Entgegen dem globalen Trend wurden in China in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 die Kapazitäten erweitert. Auf China entfällt mit rd. 1.020 GW nun zum ersten Mal die Hälfte der weltweit betriebenen Kohlekraftwerke (2.047 GW). Zudem entfallen mit rd. 252 GW etwa 48 Prozent der weltweit neu geplanten bzw. bereits in Bau befindlichen Kohlekraftwerksleistung auf China. Außerhalb Chinas erreichten die Kapazitäten für den Betrieb von Kohlekraftwerken bereits 2018 ihren Höhepunkt. Dieser Trend dürfte nach Einschätzung von GEM auch in Zukunft anhalten, da die geplanten Stilllegungen außerhalb Chinas höher sind, als die geplanten Inbetriebnahmen.
© IWR, 2026
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